40 Jahre steht der "Spätstarter" auf der Bühne (im November 2020 wird er 87). Und immer noch ist er vorher aufgeregt. Mit dem Tour-Motto „Along For The Ride“ war klar, daß der Lehrmeister des "weißen Blues" kaum etwas aus seinem ganz alten Repertoire spielen würde, ausgenommen „Room To Move“ (1969) in einer opulenten Fassung am Schluß des offiziellen Sets. Die Titel der neuen Platte, von "Along For The Ride“ bis „Something About My Baby“, präsentierten die Bluesbreakers in überaus rockiger Verpackung. Für manche Alt-Fans bisweilen mit einem zu dichten Sound-Teppich unterlegt.
Mayall, mal mit Mundharmonika, mal auf dem elektrischen Piano, zum Teil beides gleichzeitig, oder auch an der E-Gitarre. Der Mann mit seinem eigenen Jugendbildnis auf dem T-Shirt zeigte, daß er musikalisch und physisch noch unerhört gut drauf war. Das vierte "Instrument" war sein Mund. Da blubberte, schnalzte und grunzte es förmlich aus den Boxen. Der Brite nennt das Mouth Percussion. Mit fortschreitendem Abend ging das Publikum immer mehr mit, und als Mayall von den "Dancing Shoes" sang, wippten auch die letzten Füße im Saal. "Ziemlich gut, der alte Mann" befand ein Besucher "der soll sechsfacher Großvater sein?" Und umgekehrt hatten die Bluesbreakers ein Kompliment für die Krefelder parat: "Tolle Atmosphäre, tolle Leute", befand Leadgitarrist Buddy Whittington, der seit 1993 mit John Mayall zusammen spielt. Auf der Rennbahn brach Mayall dann eine eiserne Regel: Er ließ sich zu einer zweiten Zugabe überreden. Am Schlagzeug lieferte Joe Yuele einen souveränen Part, Bassist Hank van Sickle ersetzte unauffällig Gregory Paul Rzab und unangekündigt, unter großem Beifall des Publikums, bearbeitete Tom Canning (früher Al Jarreau) virtous das Keyboard. Alle Musiker leben im Großraum Los Angeles, wo auch der Engländer John Mayall seit langer Zeit eine neue Heimat gefunden hat. Die Europa-Tour führt die Bluesbreakers an 40 Tagen auf 37 Bühnen. Heute Krefeld, morgen Hamburg, übermorgen Oslo, dann Paris.
Nach mehr als 50 Jahren hätte ich gern am 23. Oktober 2019 sein Konzert besucht, doch es wurde aus gesundheitlichen Gründen von John Mayall abgesagt.